Georges Perec – Bartlebooth’s Lebensplan

Lesung mit Matthias Peter, Musik: Daniel Pfister, Urs Gühr

Mittwoch, 11. Januar 2012 – 20.00 Uhr

 

Im März 2012 zeigt die Kellerbühne das Schauspiel «Die Kartoffelkammer» von Georges Perec als Eigenproduktion. Im Vorfeld zur Inszenierung stellt Regisseur und Schauspieler Matthias Peter, Leiter der Kellerbühne, dem Publikum Perecs bekanntestes Werk vor, den opulenten Roman «Das Leben – Gebrauchsanweisung», der 99 Räume in einem Wohnhaus beschreibt und den dazugehörigen Geschichten nachgeht.

 

Unter dem Titel «Bartlebooth’s Lebensplan» bringt die Lesung den wichtigsten Erzählstrang zu Gehör, der im Kunstkontext von einer Puzzleobsession und einem ungewöhnlichem Lebensplan erzählt:

 

Zehn Jahre lang macht sich Milliardär Bartle­booth der Kunst des Aquarellierens vertraut. Zwanzig Jahre lang reist er durch die Welt und malt im Rhythmus von einem Aquarell alle vierzehn Tage fünfhundert Seehäfen. Diese werden einem Puzzlemacher geschickt, der sie in Puzzles zerlegt. Zwanzig Jahre lang fügt Bartle­booth, nach Hause zurückgekehrt, die Puzzles wieder zusammen, lässt sie «ineinsbringen», von ihrer Unter­lage ablösen und an den Ort zurückbringen, an dem sie gemalt worden sind, wo man sie in eine Reinigungslösung legt, aus der lediglich noch ein weisses Blatt Papier herauskommt. Auf dass von seinem Wirken, das ihn fünfzig Jahre in Bewegung gehalten hat, keine Spur zurückbleibe. Doch das Projekt hat seine Tücken…

 

Der Flötist Daniel Pfister und der Pianist Urs Gühr ergänzen und bereichern die philosophische Persiflage auf den Kunstmarkt mit musikalischen Puzzleteilen.

 

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Der französische Schriftsteller Georges Perec (1936–1982) zählt zu den wichtigsten Vertretern der französischen Nachkriegsliteratur.

 

Er gehörte zur Oulipo-Gruppe, der sogenannten «Ouvroir de litterature potentielle»; «Werkstatt für potentielle Literatur», deren Mitglieder ihre Werke formalen Zwängen unterwarfen und wurde mit zwei der wichtigsten französischen Literaturpreise ausgezeichnet:

 

Für seinen Erstling «Die Dinge. Eine Geschichte der Sechziger Jahre», erhielt er 1965 gleich den renommierten Prix Renaudot. Und 1978 wurde ihm sein Hauptwerk «Das Leben – Gebrauchsanweisung» der Prix Médicis verliehen.

 

1974 schrieb er mit «Die Kartoffelkammer» ein gleichermassen tiefsinnig philosophisches wie humorvolles Schauspiel, das sinnbildlich den allgemeinen Bedingungen des Menscheins und gleichzeitig der Faszination des Mediums Theater nachspürt.

 

Das Stück hat am 7. März 2012 in der Kellerbühne St.Gallen Premiere und wird bis 17. März siebenmal gespielt.

 

Literaturangabe:

Georges Perec: Das Leben. Gebrauchsanweisung, Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main